Name:
Gandhi, Mohandas Karamchand
Geburtsdatum:
02.10.1869
Geburtsort:
Porbandar (Indien)
Todestag:
30.01.1948 in Neu-Delhi (Indien)
Sternzeichen:
Waage (23.09.-23.10.)
Mahatma Gandhi
Die große Seele Indiens
Von Melanie Mushak
Mohandas Karamchand Gandhi, den seine Anhänger „Mahatma“ (große Seele) oder auch „Bapu“ (Vater) nannten, wurde am 2. Oktober 1869 im indischen Fürstenstaat des Raja von Porbandar als letztes von sechs Kindern geboren. Sein Vater hatte sich trotz geringer Bildung durch Loyalität und reiche Erfahrung für das Amt des obersten Ministers qualifiziert. Nach dem Tod des Vaters wurde Gandhi von seiner Familie ausgewählt, dessen Karriere fortzusetzen. Man schickte ihn zunächst auf das College nach Bhavnagar und dann auf ein College in England. 1891 kehrte er mit der Anwaltszulassung in die Heimat zurück, wo ihn seine Frau Kasturba, mit der er dreizehnjährig verheiratet worden war, und der gemeinsame Sohn erwarteten. Aus der Ehe mit Kasturba gingen noch drei weitere Söhne hervor.
Zunächst fiel es Gandhi schwer, als Anwalt Fuß zu fassen. Seine Schüchternheit, die mit einer Redehemmung verbunden war, und Unerfahrenheit sorgten immer wieder für Konflikte. Schließlich wurde er jedoch von einer Handelsfirma engagiert, die juristischen Beistand für ihren Vertreter in Südafrika suchte. In dieser Position kam Gandhi erstmals mit der südafrikanischen Rassenpolitik in Berührung, z.B. als er auf dem Weg in die Hauptstadt Pretoria auf Wunsch eines weißen Mitreisenden der 1. Klasse in den Gepäckwagen verwiesen wurde. Seine Weigerung führte zum Rauswurf aus dem Zug. Weitere Erfahrungen dieser Art weckten seinen Tatendrang und veranlassten ihn ein Treffen der ansässigen Inder einzuberufen, wo ihm die erste öffentliche Ansprache seines Lebens gelang.
Durch seinen Einsatz erwarb sich Gandhi bei den indischen Kaufleuten großes Ansehen und so kam es, dass sie ihn um Unterstützung baten, als die Regierung den Indern wenig später das Wahlrecht aberkennen wollte. Während Gandhi dieser Bitte nachkam, verdiente er seinen Unterhalt als erster farbiger Anwalt am Oberlandesgericht. Er vertrat u.a. einen indischen Arbeiter, der von seinem Arbeitgeber übel zugerichtet worden war. Gandhi erwirkte die Bestrafung des Täters und das Ende des Arbeitsvertrages. Durch diesen Erfolg machte er sich schlagartig auch unter den Kontraktarbeitern einen Namen und wuchs schon bald in die Rolle des Vermittlers zwischen den verschiedenen indischen Gruppen. Auch im Bereich der sozialen Versorgung führte Gandhi immer wieder freiwillige Arbeiten aus und meldete sich während des Burenkriegs sowie des Zulu-Aufstandes als Sanitäter.
Die leidvollen Erfahrungen des Krieges veranlassten ihn nach seiner Rückkehr schon bald einen noch radikaleren Weg im Dienste der Gemeinschaft einzuschlagen. Er beschloss, von nun an ein Leben in Armut und Keuschheit zu führen und sich nur noch von gewürzlosen, meist ungekochten Speisen zu ernähren (Vegetarier war er bereits). Auf der Suche nach weiteren Anregungen für seinen Lebenswandel stieß Gandhi auf John Ruskins Werk „Unto This Last“, dessen zentraler Gedanke darin bestand, dass jeder Mensch mit eigenen Händen arbeiten und jede Tätigkeit von gleichem Wert sein solle. Diese Anschauung beeindruckte Gandhi und er versuchte danach zu leben.
Als 1906 ein Gesetzentwurf bekannt gegeben wurde, laut dem alle Inder ihre Fingerabdrücke nehmen lassen und eine Registrierungsbescheinigung bei sich tragen mussten, trat Gandhi wiederum als politischer Kämpfer in Erscheinung. Er hielt die Inder gewaltlos aber durchaus erfolgreich von der Registrierung ab. Für diesen Ungehorsam wurde er zu zwei Monaten Haft verurteilt, erhielt jedoch schon bald ein Kompromissangebot laut dem sich die Inder freiwillig registrieren lassen sollten. Nachdem die Gesetzesänderung von Seiten der Regierung nicht erfolgte, stellte Gandhi ein Ultimatum und forderte nach dessen Ablauf die Inder dazu auf, ihre freiwilligen Pässe zu verbrennen. Er nannte diese Methode des gewaltlosen Widerstandes „Satyagraha“ und übersetzte sie als „Die Kraft, die aus Wahrheit entsteht, aus Liebe oder Gewaltlosigkeit“. Gandhi wandte „Satyagraha“ stets in Kombination mit zahllosen Regierungsgesprächen an, die jedoch meist erfolglos verliefen. Ab dem Jahre 1918 erweiterte er diese Methode um sein Fasten zugunsten einer öffentlichen Sache.
Ein zentraler Punkt in Gandhis „Satyagraha“ war die gewaltlose Verweigerung der Zusammenarbeit mit der weißen Besatzungsmacht. So warb er unermüdlich für das Handspinnen und Weben und den Boykott englischer Textilien. Gandhi selbst widmete sich täglich der Handarbeit, in der er einen Weg aus der Armut sowie der Abhängigkeit von Großbritannien sah, und machte das Spinnrad auf diese Weise zum Symbol für seine ganze Bewegung. Nachdem es 1914 endlich zu einem Teilsieg für ihn kam, indem die Kopfsteuer für Inder abgeschafft und nichtchristlichen Ehen für gültig erklärt wurden, beschloss er nach 21 Jahren endgültig nach Indien heimzukehren. Nahe der indischen Stadt Ahmedabad gründete Gandhi einen Ashram und widmete sich schon bald wieder dem Dienst an der Gemeinschaft. Er vertrat die Interessen der Bauern und versuchte die niedrigste Kaste der „Unberührbaren“ ganz im Sinne von Ruskins Gedanke der Gleichwertigkeit in die Gesellschaft zu integrieren.
Nachdem sich der 1. Weltkrieg dem Ende näherte, begann die britische Besatzungsmacht um ihre Vormachtstellung in Indien zu fürchten und verabschiedete ein Notstandsgesetz, das Gandhi zu neuem Protest veranlasste, der mit einem arbeitsfreien Selbstreinigungstag beginnen sollte. In diesem Zusammenhang kam es zu Verhaftungen, die ihrerseits zu Demonstrationen führten. Als rigorose Antwort ließ der britische General Reginald E.H. Dyer auf tausende Inder schießen, die sich auf einem Platz in Ahmedabad versammelt hatten. Fast vierhundert Inder starben - von Seiten der Regierung hatte der Vorfall jedoch kaum Konsequenzen. Gandhi war erschüttert. Nach zahlreichen weiteren Aktionen sowie einem zweijährigen Gefängnisaufenthalt erhob Gandhi in Übereinstimmung mit dem indischen Nationalkongress die völlige Unabhängigkeit Indiens zum Ziel. Er unterbreitete der Regierung elf Forderungen die auf die Unabhängigkeit zielten und stellte ein Ultimatum. Als dieses nicht erfüllt wurde, entschied er sich eine Kampagne gegen das Salzmonopol der Regierung zu starten. Am 12. März 1930 begab er sich mit 78 ausgewählten „Satyagrahis“ auf den fast 400 km langen Marsch von Ahmedabad an die Küste, um Salzkruste aufzulesen, was zu seiner erneuten Verhaftung führte.
1936 kehrte Gandhi schließlich zu seiner Idee der autarken Gemeinschaft zurück. Er ließ sich in dem kleinen Dorf Sevagram nieder, das hauptsächlich von „Unberührbaren“ bewohnt wurde, um exemplarisch die Probleme Indiens zu lösen. Seine Arbeit wurden schon bald von den immer häufiger auftretenden Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen überschattet. Bereits seit längerer Zeit drängte die Muslim-Liga unter Mohammed Ali Jinnah auf die Teilung des Landes in einen hinduistischen und einen muslimischen Staat. Gandhi hatte sich immer gegen diesen Vorschlag gewehrt und versucht ein Gemeinschaftsgefühl zu wecken, war jedoch gescheitert. 1946 eskalierte die Lage schließlich völlig und führte zu einem Massaker in Kalkutta bei dem über fünftausend Hindus starben. Weitere Gewaltakte beider Seiten folgten. Bis die Teilung des Landes in die Staaten Indien und Pakistan schließlich abgewickelt und die Flüchtlingsströme abgeebbt waren, verloren schätzungsweise eine Million Menschen das Leben.
Schließlich sah die britische Besatzungsmacht ein, dass man Indien nicht länger durch den Einsatz von Gewalt halten konnte und entließ das Land am 15. August 1947 unter Premierminister Jawaharlal Nehru (Gandhis geliebtem Ziehsohn) in die Freiheit. Für Gandhi verkörperte dieser Tag weniger einen Sieg als den Untergang seiner Vision vom gewaltlosen, geeinten Indien der autarken Dörfer. Er reiste unbeirrt zu den Brennpunkten entlang der neuen Grenze, um zwischen Hindus und Muslimen zu vermitteln und weitere Ausschreitungen zu verhindern. Hierbei entging er während eines Gebetstreffens am 20. Januar 1948 nur knapp einem Bombenattentat, ließ sich jedoch durch diesen Zwischenfall nicht von seiner Mission abbringen. Am 30. Januar, nur zehn Tage nach dem ersten Anschlag, feuerte ein Mann Namens Nathuram Godse aus nächster Nähe drei Schüsse auf Gandhi ab und sorgte mit diesem Attentat für weltweites Entsetzen. Fast 2,5 Millionen Menschen geleiteten Gandhis Leichnam zum Ufer des Yamuna-Flusses, wo er nach hinduistischer Tradition verbrannt wurde.
Quellenangaben:
Mit freundlichem Dank an:
Melanie Mushak, 15.06.2009







