Name:
Antoni Placid Gaudi y Cornet
Geburtsdatum:
25. Juni 1852
Geburtsort:
Reus (Spanien)
Todestag:
10. Juni 1926 in Barcelona (Spanien)
Sternzeichen:
Krebs (22.06.-22.07.)
Antonio Gaudi
Katalanischer Volksheld und Visionär
Von Melanie Mushak
Gaudi hatte eine ganz besondere Vorstellung von einem perfekten Gebäude, die nicht bei jedem Kollegen auf begeisterte Zustimmung stieß und oftmals für Skepsis sorgte, er selbst war jedoch von seinen Konstruktionen überzeugt. So bemängelte Gaudi an der gotischen Konstruktionsart, dass sie Strebebögen benötigt, um das Gewicht der Wölbungen aufzufangen und er forschte, durch welche Bauweise man auf die unliebsamen Stützen verzichten konnte. Er kam auf die Idee, seine Gebäude mit schrägen Baupfeilern auszurüsten, welche diese Mängel umgingen. Generell arbeitete Gaudi viel lieber in praktischen Anschauungen, räumlichen Projekten und Modellen, als auf dem Papier - was mit ein Grund dafür ist, dass nur sehr wenige Aufzeichnungen von seinen Objekten existieren. Für die Bogenkonstruktion der Kirche in der Kolonie Güell entwarf er beispielsweise ein Modell aus Schnüren, an deren Ende er je nach Belastung der Säulen und Pfeiler verschieden schwere Gewichte hängte. So erhielt er ein auf den Kopf gestelltes Modell des Baukörpers.

Die Bevölkerung wusste nach Vollendung der Bauarbeiten nicht genau, wie sie auf die neuartigen Gebilde in ihrer Stadt reagieren sollte. Die Mischung aus mechanischer Konzeption, ausgeprägter plastischer Gestaltung sowie Tradition und Moderne machte es ihr schwer, die Bauwerke zu bewerten. Spitznamen wie „Steinbruch“, „Pastete“ oder „Hornissennester“ waren schnell im Umlauf und in den Zeitungen amüsierte man sich über satirische Karikaturen. Der Baumeister selbst ignorierte diese Anfeindungen und widmete sich mit voller Kraft seinem ehrgeizigsten Bauprojekt, der Kathedrale „Sagrada Familia“.
Gaudi war sich durchaus bewusst, welche Arbeit er sich mit dem Bau der Kirche auferlegt hatte und dass er dieses Werk nie werde vollenden können, doch dieser Gedanke belastete ihn kaum. „Eine Kathedrale wird nicht von einem einzigen erstellt, sie ist das Werk mehrerer Generationen“ pflegte er zu sagen, wenn man ihn darauf ansprach, während er mit dem Hut herumging, um Spenden für den Weiterbau zu sammeln. Die Kathedrale sollte eine Kirche der Armen werden, ausschließlich durch Stiftungen und Almosen finanziert. Bei der Wahl der Baumaterialien griff Gaudi jedoch nicht nur wegen der beschränkten finanziellen Mittel sondern auch aus Liebe zu seiner Heimat auf einfache Materialien wie Ziegelsteine, Keramik und Schmiedeeisen zurück, die traditionell im Handwerk Kataloniens eingesetzt wurden.

Ab dem Jahr 1914 lehnte Gaudi alle weiteren Aufträge ab, um sich nun ausschließlich dem Weiterbau der Kathedrale zu widmen. Dies führte sogar soweit, dass er von seinem Haus im Park Güell auf die Baustelle der „Sagrada Familia“ umsiedelte. So verbrachte er die letzten Lebensjahre in „seiner“ Stadt Barcelona, auf die er sich mit der Errichtung seiner 21 Bauwerke nahezu gänzlich beschränkt hatte. Nur vereinzelte Gebäude findet man in Leon (Casa de los Botines/Bischofspalast von Astorga) und Santander (Villa Quijano) sowie eine von ihm umgebaute Kathedrale auf Palma de Mallorca und Pläne für ein Hotel in New York.
Am Spätnachmittag des 5. Juni 1926 spazierte Gaudi, wie an jedem Tag nach der Arbeit, zur Kirche St. Philipp Neri, um dort zu beten. Unterwegs wurde er von einer Straßenbahn erfasst und ein Stück mitgeschleift. Gaudi sank bewusstlos zu Boden und war dringend auf ärztliche Hilfe angewiesen. Da die umstehenden Taxifahrer den Architekten nicht erkannten, der sich nur selten in der Öffentlichkeit zeigte, weigerten sie sich, den ärmlich gekleideten Mann in ein Krankenhaus zu bringen (für ihr Handeln wurden sie später schwer bestraft). Letztendlich nahmen sich Passanten des Schwerverletzten an und brachten ihn in das Hospital „de la Santa Creu“, wo Gaudi jedoch seinen Verletzungen erlag.
Zwei Tage später ging ein von tausenden Menschen gesäumter Trauerzug vom Krankenhaus durch die Straßen Barcelonas zur „Sagrada Familia“. In der Krypta der noch unvollendeten Kirche wurde Gaudi auf Anordnung der Regierung und mit der Zustimmung des Papstes beigesetzt.
Quellenangaben:
Mit freundlichem Dank an:
Melanie Mushak, 19.08.2009
Fotos: Daniel Dünner
- www.gaudidesigner.com
Sehr umfangreiche Gaudiseite in Englisch, Italienisch und Spanisch





