Name:
Reverberi, Gian Piero
Geburtsdatum:
20.07.1939
Geburtsort:
Genua (I)
Sternzeichen:
Krebs (21.06. - 22.07.)
Gründer und Kopf von Rondò Veneziano
Gian Piero Reverberi
Ein italienisches Genie der Neuzeit
Von Günther Strauß
Gian Piero Reverberi, am 29. Juli 1939 in Genua geboren, gilt als eine der wenigen wahrhaften imposanten Persönlichkeiten der italienischen Musikszene. Als Dirigent, Arrangeur, Komponist, exzellenter Pianist, Produzent und Autor von überaus erfolgreichen Schallplatten - Projekten beweist er stets einzigartige künstlerische Flexibilität wie auch außergewöhnliche Kreativität und Originalität: Dies sind die beiden Pfeiler, auf die sich der exzellente Ruf stützt, der diesem Musiker voraus eilt, und der sich beim europäischen Publikum immer wieder ausbreitet.
Nach Abschluss seines Studiums am Paganini - Konservatorium in Genua in den Fächern Klavier und Komposition (er selbst dirigiert seine Examensarbeit, eine Komposition für Klavier und Orchester) beschließt Reverberi, dem die Akademische Atmosphäre eigentlich immer zu streng gewesen ist, seine Kenntnisse zu erweitern und die Palette seiner Erfahrung zu bereichern. Schon während der Studienzeit arbeitet er mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Gian Franco zusammen, der damals bereits in der Musik- und Schallplattenszene aktiv ist, und kommt so mit den Liedermachern der sogenannten "genuesischen Schule" zusammen. Gerade mal 20 Jahre alt, verwirklicht er sein erstes großes Arrangement - wobei es sich um kein geringeres Stück als "La gatta" von Gino Paoli handelt. Danach folgten weitere bedeutende Songs wie "Senza fine","Sassi" und "Un uomo vivo". So arbeitet Reverberi mit Luigi Tenco zusammen (um hier nur einige Titel zu nennen: "Quando", "Se qualcuno ti dirà", "Se stasera sono qui"), und schließlich mit Fabrizio De André - eine fruchtbare Zusammenarbeit, die die beiden für längere Zeit verbinden soll: Von diesem Landsmann stammen die Arrangements für die ersten 8 Alben des Künstlers, und manchmal trägt die eine oder andere Komposition sogar seinen Namenszug.
1963, im Alter von 24 Jahren, schreibt Gian Piero Reverberi seinen ersten Millionenhit, "Se mi vuoi lasciare" , gesungen von Michele, einem Sänger, der im gleichen Jahr vom Bruder Gian Franco entdeckt worden ist.
1968 hört schließlich auch das Publikum, das sich mehr für Pop und progressiven Rock begeistert, von ihm. Reverberi produziert die Alben der beiden bekannten Gruppen "New Trolls" und "Le Orme". Mit den ersten realisiert er neben den Singles "Vision" und "Sensazione" auch eines der schönsten Projekte in der italienischen Musik der letzten 30 Jahre: Das Album "Senza Orario, senza Bandiera", mit Texten von Frabrizio de André ist das erste Beispiel eines konzeptionellen Albums im italienischen Rock. Und während der folgenden Jahre, von 1968 bis 1972, verdankt "Le Orme" ihm die Erfolge von "Uomo di Pezza", "Collage" und "Felona e Sorona".
In dieser Zeit trifft er auch auf Lucio Battisti. Der gemeinsame Weg dieser beiden Künstler beginnt mit "Emozioni" und wird mehr als sieben Jahre andauern: In der doppelten Funktion als Arrangeur und Dirigent bereichert und veredelt Reverberi die zweite produktive Schaffensphase Battistis in substantieller Weise.
Es gibt unzählige Künstler, die zu verschiedenen Zeiten auf seine Meisterschaft und seine Talente in mehr oder weniger intensivem Umgang zurück griffen und sie sich nutzbar gemacht haben: Mina, Ornella Vanoni, Patty Pravo, Sergio Endrigo, Lucio Dalla, Ricci e Poveri, Paul Anka, Neil Sedaka oder auch Caterina Valente.
1979 kommt die grandiose Idee auf, ein Kammer-Ensemble ins Leben zu rufen, das in der Lage sein soll, ein breites Publikum anzusprechen - durch Kompositionen, die allesamt aus der Feder Reverberi's stammen, die aber in der typischen, eingängigen Musikform gehalten sind, der sich die Komponisten in der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedienen - das Rondo. So wurde Rondò Veneziano geboren, eine kleine Gruppe aus 7 Musikerinnen und 2 Musikern, die sich häufig in einen so dichten symphonischen Zusammenhang einreihen, für den in manchen Fällen ein Orchester von 60 und mehr Instrumenten notwendig ist.
So lässt auch der Erfolg nicht lange auf sich warten: Stücke wie "La Serenissima" oder "Odissea" gehen um die Welt und machen den Namen der Gruppe überall berühmt. Bis heute hat Rondo Veneziano allein in Europa von den jährlich veröffentlichten Alben fast 20 Millionen Einheiten verkauft, eine Ziffer, die noch nicht den Dutzenden von Cover- Versionen Rechnung trägt. Viele dieser Cover - Versionen aus dem immensen Repertoire sind dance - oriented - man braucht zum Beispiel nur daran zu denken, dass es von "La Serenissima" zwölf verschiedene Fassungen gibt, wobei die berühmteste wohl die ist, die 1992 als Erkennungsmelodie für die englische Fernsehserie "Emergency" benutzt wurde.
Mit dem Fall der Berliner Mauer hat sich nicht nur die Grenze nach Osten geöffnet, sondern es haben sich auch neue Märkte für die Musik von Rondò Veneziano aufgetan. So trat das Ensemble in Riga, Lettland, auf. Das grosse Konzert wurde vom Kultusministerium der neu gegründeten baltischen Republik initiiert. Beim anschliessenden Empfang teilte der Minister Gian Piero Reverberi in einem Gespräch mit, dass im gesamten Osten bei diplomatischen Anlässen mit der italienischen Regierung als "offizielle" Orchestermusik die Musik von Rondò Veneziano ertönt, zum einen ausgewählt, um das Land mit dieser edlen Musikform darzustellen, zum anderen natürlich aber auch aufgrund der Popularität.
Ein wichtiges Gespräch nicht nur im Hinblick auf den Osten, sondern auch hinsichtlich der Länder jenseits des Atlantiks. Seit 1996 führt eine Gruppe junger italienischer Musiker, die offizell den Namen Rondo Veneziano führen dürfen (hunderte von Gruppen in Italien benutzen diesen Namenszug ohne Erlaubnis), diese Musik im "italienischen Pavillion" im Epcot Center in Disney World,Orland/Florida, auf.
Obwohl er sich ganz auf seine Arbeit als Komponist und Musiker bei Rondò Veneziano konzentriert, hat Gian Piero Reverberi das klassische Repertoire durch mehrere vortreffliche Werke verstärkt, unter anderem durch die "Suite für Harmonika und Streicher" für Willi Burger, die "2. Suite für Harmonika und Orchester" und das "Konzert für Harmonika und Orchester". Im Moment komponiert er ein Konzert für Violine, das von den Münchner Philharmonikern in Auftrag gegeben worden ist. Für Rondo Veneziano komponiert er ein Album mit Weihnachtsthemen - "Sinfonia di Natale". Auf diesem Album hat es der Maestro meisterhaft verstanden, nebst eigens komponierten Weihnachtsstücken, die beliebtesten und bekanntesten deutschen und Internationalen Weihnachtslieder - sowohl im klassischen als auch im populären Bereich - in Medleys oder auch alleinstehend neu zu arrangieren und im millionenfach bewährten Rondò Veneziano Stil zu präsentieren.
Maestro Reverberis Soloauftritte werden immer seltener. Abgesehen von einigen sporadischen Konzertveranstaltungen für wohltätige Zwecke, trennt er sich nur ungern von Rondò Veneziano, seiner erfolgreichen Kreation, die ihn mit viel Freude erfüllt.
Quellenangaben:
Mit freundlichem Dank an:
Daten: Rondo Veneziano, 30.05.2003








