Name:
Albrecht, Karl & Theo
Karl Hans
Theodor Paul Albrecht
Geburtsdatum:
Karl: 20. Februar 1920
Theo: 28. März 1922
Geburtsort:
Beide in Essen (D)
Sternzeichen:
Fisch (19.02.-20.03.)
Karl & Theo Albrecht
Zielstrebigkeit zahlt sich aus
Von Chrischan Behrens
Theo Albrecht ist reich, superreich! Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt, die alljährlich vom US-Magazin "Forbes" veröffentlicht wird, belegt er zusammen mit seinem Bruder Karl den fünften Platz (Stand Juni 2001) mit einem Privatvermögen von geschätzten 55 Milliarden Mark. Mit den Namen ALDI bringt ihn allerdings kaum ein Bundesbürger in Verbindung, obwohl jedes Kind die Billig-Supermärkte kennt!
Theo Albrecht gehört zu jener Gruppe von Unternehmerpersönlichkeiten, deren Privatleben fast vollständig vor der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Kaum jemand hat ein Bild von ihm oder ihn gar je persönlich gesehen. Deshalb gibt es auch nur wenig Substanzielles über sein Privatleben zu berichten. So kennt man weder den Geburtsort noch das genaue Geburtsdatum von Theo Albrecht. Bekannt ist nur, dass er 1922 geboren wurde und aus eher ärmlichen Verhältnissen stammen muss. Sein Vater verdiente den Lebensunterhalt für die Familie als Bergarbeiter und später in einer Brotfabrik. Damit sich die Familie finanziell über Wasser halten konnte, eröffnete die Mutter von Theo einen Lebensmittelladen. In diesem Geschäft absolvierte dann auch der junge Theo Albrecht eine Lehre. Sein zwei Jahre älterer Bruder Karl machte eine Lehre in Essen.
Nach dem Krieg übernahmen die beiden Brüder das elterliche Lebensmittelgeschäft. Es handelte sich um einen kleinen Laden von 35 Quadratmetern; im Essener Ortsteil Schonnebeck haben sie schließlich ein größeres geschäft eröffnet. Sie expandierten weiter und hatten es bis 1950 bereits auf eine kleine Lebensmittelkette von dreizehn Geschäften herkömmlicher Prägung gebracht. Aber kein Grund zum Ausruhen: Es ging in schnellen Schritten vorna, 1960 waren es bereits 300 Läden mit einem Umsatz von 90 Millionen Mark.
Discount - Eine Idee wird geboren
Den kometenhaften Aufstieg zum ALDI-Lebensmittelimperium heutiger Prägung verdankten die beiden Brüder aber einer damals noch neuen Geschäftsform, die später unter dem Begriff Lebensmitteldiscount oder kurz Discount berühmt wurde. Daher rührt auch der spätere Name des Handelskonzerns (ALDI setzt sich zusammen aus ALbrecht und DIscount). Die Idee war ebenso simpel wie bestechend: Das gesamte Warensortiment wurde rigoros zusammengestrichen. Es wurden nur Produkte im Sortiment behalten oder neu ins Sortiment aufgenommen, die bei einer gewissen Umsatzmindestgröße eine hohe Warenumschlagshäufigkeit aufwiesen. Außerdem wurde an allem gespart, was teuer war und nur unnötige Kosten verursachen könnte. Der Sparstift radierte aufwändige Dekoration und Ladenausstattung weg, strich teure Reklame und kostenintensive Frischwaren aus dem Programm. Nicht zuletzt sparte ALDI auch bei der Ladenmiete, indem die Verkaufsfläche der Läden verhältnismäßig klein gehalten wurde. Die dadurch gewonnene Kostenreduktion wurde an die Endverbraucher in Form niedrigerer Preise weitergegeben. Als Sparfuchs bekannt, bauten die Albrechts eine Riesen-Imperium auf. Insbesondere die Sparsamkeit von Theo Albrecht trieb manchmal seltsame Blüten und machte auch vor dessen Privatleben nicht Halt.
Der Volksmund sagt, von den Reichen könne man das Sparen lernen. Insbesondere die Sparsamkeit von Theo Albrecht trieb manchmal seltsame Blüten und machte auch vor dessen Privatleben nicht Halt. So wird zum Beispiel berichtet, dass Theo Albrecht auf seinem Grundstück im Badischen (rund eine Million Quadratmeter groß und mit eigenem Golfplatz), zehn Öltanks mit einer Million Liter Erdöl Inhalt lagern soll. Wenn er einen Raum betritt, heißt es, löscht er zunächst erst einmal das Licht, um zu testen, ob man nicht eventuell auch ohne Licht zurechtkommen könnte. Auch soll er sich einmal zu der Bemerkung gegenüber einem seiner Filialleiter hinreißen haben lassen, er (der Filialleiter) solle ihm (Albrecht) einmal zeigen, wie man mit vier Kugelschreibern gleichzeitig schreiben kann, nachdem der Filialleiter diese bestellt hatte.
Ein weiterer Beweis für grenzenlose Sparwut: Nach seiner Entführung 1971 ging Theo Albrecht vor Gericht, um das damals gezahlte Lösegeld steuerlich absetzen zu können. Dies erhitzte seinerzeit die Gemüter der Bevölkerung mindestens ebenso wie die Entführung selbst. Nur einige Episoden aus dem Leben Theo Albrecht, die seine sprichwörtliche Sparsamkeit unter Beweis stellen sollen. Aber natürlich war es nicht nur diese Sparsamkeit, die ihm die Möglichkeit bot, seine Waren zu konkurrenzlos niedrigen Preisen anbieten zu können. Vielmehr war es die Summe der gesamten Wertschöpfungskette vom Einkauf über die Lagerung bis hin zum Verkauf.
Die ALDI-Erfolgsstory
Nachdem der erste Supermarkt mit Namen "ALDI" 1962 in Dortmund eröffnet wurde, gab es kein Halten mehr. Schon nach knapp zehn Jahren wuchs die Firma auf 600 Filialen in über 300 Städten an, der Inlandsumsatz stieg bis zum Jahre 1980 auf rund zehn Milliarden Mark an. Die Zahl der Filialen wuchs im gleichen Zeitraum auf 1800 und die Belegschaft auf ungefähr 8000 Mitarbeiter. Ein gigantisches Wachstum, welches den Albrecht-Brüdern auch zu einer ungeheuren Marktmacht verhalf. Die logische Konsequenz daraus waren äußerst günstige Einkaufspreise, die den Lieferanten in knallharten Verhandlungen abgerungen wurden. Außerdem nahmen die beiden Brüder Eigenmarken in ihr Sortiment auf, die zum Teil von namhaften Lebensmittelproduzenten im Auftrag von ALDI hergestellt wurden.
Etwa zeitgleich mit der Eröffnung des ersten ALDI-Ladens Anfang der 60er Jahre entschlossen sich die beiden Brüder, getrennt zu kämpfen, aber gemeinsam zu siegen. Das ALDI-Imperium wurde in einen Nord- und einen Südteil aufgeteilt. Theo Albrecht übernahm ALDI-Nord, Karl Albrecht ALDI-Süd. Die Grenze der beiden Bereiche verlief grob gesprochen entlang der Ruhr. Trotzdem arbeiteten beide weiter eng zusammen. Längst hat ALDI neben dem Food- (Lebensmittel) auch den Nonfood-Bereich für sich entdeckt und Textil- und Hartwaren in sein Sortiment aufgenommen. Sogar Computer findet man mittlerweile zu den sprichwörtlich niedrigen Schnäppchenpreisen bei ALDI. Der durchschlagende Erfolg in Deutschland führte zwangsläufig zu starker Expansion. ALDI-Läden sind mittlerweile über den ganzen Globus verstreut zu finden.
Der durchschlagende Erfolg von ALDI brachte es mit sich, dass die Unternehmerbrüder auch im Ausland aktiv wurden. Sie expandierten unter anderem nach Belgien (dort heißen die ALDI-Läden "Lansa"), in die Niederlande ("Combi"), nach Österreich ("Hofer"), Frankreich und Großbritannien. Auch in Australien und den USA warten ALDI-Supermärkte auf Kunden. 1997 umfasste die Gruppe europaweit etwa 4500 Läden und avancierte dadurch zur fünftgrößten Handelsunternehmen Europas mit einem geschätzten Jahresumsatz von 30 Milliarden Mark.
Auf Grund eines ausgereiften Geschäftskonzeptes, der billigen Preise, des bekannten Markennamens und der konsequenten Kundenorientierung gewann ALDI im Laufe der Zeit Kultcharakter. Neben einer eigenen ALDI-Fanpage im Internet gibt es eine ganze Reihe von Publikationen über das Phänomen ALDI. Schließlich wurde sogar das "Lied für Aldi-Versessene" von der Band "Till und Obel" veröffentlicht.
Straff durchorganisiert
Ein so erfolgreiches Unternehmen wie ALDI zeichnet sich auch durch eine straffe und gut durchorganisierte Unternehmensstruktur aus. Jeder der ALDI-Geschäftsführer ist rechtlich selbstständig und nimmt regelmäßig an einer Geschäftsführerversammlung teil. Diese wiederum liefert wichtige Informationen an den Verwaltungsrat, der die Weichen für die Zukunft stellt.
Beide Firmengründer zogen sich inzwischen aus dem operativen Geschäft zurück. Durch ein hochkompliziertes Geflecht von diversen Stiftungen und Holdinggesellschaften bleibt das ALDI-Vermögen aber dennoch im Familienbesitz. Auch geheimnisumwittert waren die ALDI-Brüder schon immer. Umso mehr war das Interesse der breiten Öffentlichkeit geweckt, als Theo Albrecht 1971 von einem Rechtsanwalt namens Hans Joachim Ollenburg und seinem Komplizen Paul Kron entführt und erst wieder nach Zahlung eines Lösegeldes von sieben Millionen Mark wieder freigelassen wurde. Fast die Hälfte des Lösegeldes tauchte nie wieder auf.
Zielstrebigkeit zahlt sich eben aus
Am Ende ist es Theo Albrecht und Bruder Karl gelungen, aus kleinsten Anfängen ein riesiges Einzelhandelsimperium aufzubauen. Und warum? Weil beide ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hatten und strategisch einen Zug nach dem anderen taten. Nie wurde Theo Albrecht übermütig und wusste zu jedem Zeitpunkt genau, was er tat. Wie die meisten erfolgreichen Deutschen hatte auch er schon ziemlich früh die richtige Richtung eingeschlagen. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, sein eigenes persönliches Lebensziel zu finden. Die einen finden es sehr früh, andere sind eher Spätzünder. Nur finden muss man es. Und dann zielstrebig darauf zugehen, sich nicht beirren lassen, die große Vision immer vor dem geistigen Auge.
Quellenangaben:
Mit freundlichem Dank an:
Chrischan Behrens
Positivenews, 01.07.2002









