Name:
Lindgren, Astrid
Geburtsdatum:
14.11.1907
Geburtsort:
Näs bei Vimmerby (Schweden)
Todestag:
28.01.2002 in Stockholm
Sternzeichen:
Skorpion (24.10.-22.11.)
Astrid Lindgren
Geschichten für Kinder waren ihr Leben
Angefangen hatte alles mit einem verstauchtem Knöchel. Die schwedische Sekretärin Astrid Lindgren mußte das Bett hüten, langweilte sich. Da schrieb sie für ihre Tochter Karin eine Geschichte über eine freche rothaarige Göre, die Pippi Langstrumpf hieß und ihr Pferd in die Luft stemmen konnte. Und aus der Sekretärin Astrid Lindgren ist die wohl berühmteste Jugendbuchautorin der Welt geworden.
Astrid Lindgren erzählt über sich selbst:
"... Lassen Sie mich mit meinen Lebensstationen beginnen, da in der Regel alle danach fragen. Alles begann so: Im November 1907 erblickte ich in einem alten, roten Haus, das von Apfelbäumen umgeben war, das Licht der Welt. Ich wurde als zweites Kind des Landwirts Samuel August Ericsson und seiner Frau Hanna, geb. Jonsson, geboren. Der Hof, auf dem wir lebten, hieß - und so heißt er noch heute - Näs, und er liegt ganz in der Nähe einer kleinen Stadt in Småland namens Vimmerby. Näs ist seit 1411 Pfarrhof, und so ist es immer noch. Mein Vater war allerdings kein Pfarrer, sondern nur Pfarrhofpächter auf Näs - wie sein Vater vor ihm und sein Sohn nach ihm.
In dem roten Haus - im 18. Jahrhundert Pfarrhof, später Pächterhaus - wurden noch zwei weitere Kinder geboren. Wir waren also vier Geschwister: Gunnar, Astrid, Stina und Ingegerd. Wir lebten ein glückliches Bullerbü-Leben auf Näs - im Grunde genau wie die Kinder in den Bullerbü-Büchern. Wir gingen in Vimmerby zur Schule, die nur eine Viertelstunde entfernt war. Aber wie auch die Bullerbü-Kinder wurden wir irgendwann einmal erwachsen, und es wurde Zeit, in die Welt hinauszuziehen. Ich ging nach Stockholm und machte eine Ausbildung als Sekretärin. Ich bekam dort eine Anstellung, heiratete und bekam zwei Kinder - Lars und Karin. Die beiden wollten immer, dass ich ihnen Geschichten erzähle.
Und ich erzählte Geschichten. Doch ich schrieb keine Bücher, nein. Denn ich hatte schon früh beschlossen, dies nicht zu tun. Die meisten Menschen, die nie Bücher schreiben, fassen vermutlich keine förmlichen Beschlüsse, dies nicht zu tun. Ich jedoch fasste so einen Beschluss.
Als ich zur Schule ging, bekam ich immer zu hören "du wirst bestimmt mal Schriftstellerin, wenn du groß bist". Und einmal wurde ich sogar ein wenig spöttisch "Vimmerbys Selma Lagerlöf" genannt. Ich glaube, das hat mir Angst gemacht. Und ich habe mich nicht getraut, zu schreiben, obwohl ich irgendwo tief in mir 'drin spürte, dass mir das Schreiben Spaß machen könnte. Doch diese Frage kehrt immer wieder: Wie kam es eigentlich, dass Sie anfingen zu schreiben? Und daher möchte ich erzählen, wie alles begann, obwohl ich dies schon so furchtbar oft getan habe.
1941 lag meine 7-jährige Tochter Karin mit einer Lungenentzündung im Bett. Jeden Abend, wenn ich an ihrem Bett saß, quengelte sie auf typisch kindliche Art: "Erzähl' mir was!" Und als ich sie eines Abends ziemlich erschöpft fragte: "Was soll ich dir denn erzählen?", da antwortete sie: "Erzähl' mir was von Pippi Langstrumpf!" Sie hatte den Namen gerade in dem Augenblick erfunden. Ich fragte sie nicht, wer Pippi Langstrumpf war, sondern fing einfach an zu erzählen. Und da dies ein so komischer Name war, bekam auch das Mädchen eigenartige Züge. Karin und später auch ihre Spielkameraden zeigten von Anfang an eine bemerkenswerte Zuneigung für Pippi. Ich musste immer und immer wieder von Ihr erzählen. Und das ging mehrere Jahre so weiter.
Eines Tages im März 1944 schneite es in Stockholm. Als ich am Abend am Vasapark entlang ging, lag auf dem Bürgersteig Neuschnee, darunter jedoch eine glatte Eisschicht. Ich rutschte aus und verstauchte mir den Fuß so stark, dass ich eine Zeit lang das Bett hüten musste. Um mir die Zeit zu vertreiben, fing ich an, die Pippi-Geschichten in Steno aufzuscheiben. Seit meiner Bürozeit bin ich gut im Stenografieren, und noch heute schreibe ich meine Bücher zunächst als Stenogramm.
Im Mai 1944 wurde Karin 10 Jahre alt. Da kam mir die Idee, die Pippi-Erzählung ins Reine zu schreiben und ihr das Manuskript zum Geburtstag zu schenken. Und dann beschloss ich, eine Kopie an einen Verlag zu schicken. Nicht, weil ich auch nur eine Sekunde lang glaubte, dass sie die Erzählung in Buchform herausgeben würden. Nein, einfach nur so! Da Pippi mich selbst auch sehr bewegt hat, schloss ich meinen Brief an den Verlag folgendermaßen: "In der Hoffnung, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren". Denn ich hatte ja selbst zwei Kinder, und was sollte aus denen werden - mit einer Mutter, die solche Bücher schrieb!
Quellenangaben:
Gabriele Meinhard, 11.11.2004
meinhard.privat.t-online.de
Text: Rabén & Sjögren Bokförlag
Links zu Astrid Lindgren:
-
www.astridlindgren.se
Offzizielle Webseite von Astrid Lindgren in Schwedisch. -
www.astrid-lindgren.de
Alle Informationen zu Astrid Lindgren in Deutsch.




