Name:
Moshammer, Rudolph
Geburtsdatum:
27.09.1940
Geburtsort:
München (D)
Todestag:
14.01.2005 in Grünwald (D)
Sternzeichen:
Waage (24.09.-23.10.)
Rudolph Moshammer
Ein Leben mit Daisy und Mama
Von Günther Strauß
Er war ein Münchner Original, ein Paradiesvogel, Selfmademan, Modezar und Publikumsliebling. Seine schillernden Auftritte bleiben unvergessen. Neben allem Prunk und Glanz engagierte sich der Münchner Modeschöpfer auch für sozial Schwache in der Gesellschaft. Patenschaften und Spendenaktionen gehörten zu seinem Leben und die Mode wurde immer mehr zur Nebensache.
Geboren wurde "Mosi" 1940 in München als Sohn von Richard Moshammer, Direktor bei der Württembergischen Feuerversicherung und Else Moshammer. Rudolph besuchte die Volksschule, er war keine guter Schüler und beschäftigte sich lieber mit anderen Dingen als zu lernen. Design und das Einrichten von Wohnungen interessierten ihn und schon früh begann er, Hüte und Kleider für die Freundinnen seiner Mutter zu designen.
Rudolph Moshammer absolvierte eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei der Münchner Stoffgroßhandlung Ernst & Knecht. Nach seiner Ausbildung folgte ein Praktikum bei Christian Dior in Paris. Bis dahin verlief Moshammers leben in geordneten und wohlbehüteten Bahnen. Als jedoch sein Vater Arbeitslos wurde begann eine neue Zeit in Rudolphs Leben. Richard Moshammer, der Vater begann zu trinken - Die Ersparnisse der Familie waren somit bald aufgebraucht und neues Geld blieb aus. Die Armut zog ein: "Man hatte nicht einmal mehr Geld, um für die Stromrechnung aufzukommen", so Moshammer, "Wir litten große Not, so groß, dass uns die Not bereits im Gesicht und am Körper zeichnete." Die Eltern trennten sich. Das einstige Familienoberhaupt Richard Moshammer wurde obdachlos und verbrachte seine Zeit mit trinken und rumstreunen während Else und Rudolph Moshammer für ihren Lebensunterhalt kämpften. Sein Vater nahm sich als Obdachloser das Leben, was "Mosi" wie er selbst öfters betonte nie verwunden hatte.
"Mosi", Mama und die Mode
In den 60er Jahren begann Rudolph extravagante Mode zu entwerfen. Zusammen mit seiner Mutter baute er das Unternehmen aus dem Nichts auf, begann mit Schulden und mit viel harter Arbeit und 200%igem Einsatz. Moshammer später über seinen Erfolg: "Denn schon mit 17 musste ich Tag und Nacht arbeiten und Geld verdienen. So habe ich auch mehr erreichen können als andere Menschen." Anfangs nur der Münchner Prominenz vorbehalten verbreitete sich sein guter Ruf nach und nach auf dem ganzen Planeten.
Seine Münchner Boutique "Carnaval de Venise" (gegr. 1968) in der Maximilianstraße 14 und bis heute Stammsitz, wurde zu einer der ersten Adressen der High-Society. Der Name "Moshammer" steht international für exklusives Design und beste Qualität. Zu seinen Kunden zählten Größen wie: Arnold Schwarzenegger, "mein Freund", Schwedens König Carl Gustaf, Magier Siegfried & Roy, Schauspieler Richard Chamberlain, Thomas Gottschalk oder Startenor José Carreras. Rudolph Moshammer entwarf Designs für Konzerne und Hotelketten.
Bis zum Tod seiner Mutter Else Moshammer im Jahre 1993 waren Mutter und Sohn als unzertrennliches Paar in der Öffentlichkeit aufgetreten. Die beiden Moshammers gab es nur als Doppelpack, ob bei Partys, Feiern oder Galas - immer als "Mosi und Mama".
Engagement für Obdachlose und Suchtkranke
Moshammer, der wöchentlich mehrmals auf Prominenten-Partys und in der Boulevardpresse auftauchte, war auch sozial engagiert. So unterstützte er etwa Obdachlose mit Sach- und Nahrungsmittelspenden und verteilte mit seiner Mutter einst selbst Essen an Bedürftige unter den Isar-Brücken. Zusammen mit der Münchner Tafel, einem mildtätigen Verein, verteilte Moshammer alljährlich im Advent Spenden an die Ärmsten der Armen. Er sammelte Geld, Decken, Kleidung, Nahrungsmittel und Wohnmöglichkeiten war Führsprecher der Obdachlosen-Zeitung "Biss", Pate für ein Münchner Suchtkrisen-Zentrum und gründete sogar einen Verein mit dem Namen "Licht für Menschen ohne Obdach".
Moshammer hat sich dieser schwierigen Klientel angenommen. Moshammer kannte die Szenerie des Abstiegs nur zu gut. Die Jahre zwischen 1957 und 1967 bezeichnet Moshammer als Jahre der "Kälte und Dunkelheit". 2005 wollte Moshammer sein bislang größtes Vorhaben verwirklichen: ein Haus für 60 Obdachlose.
Medienliebling Moshammer
Moshammer schrieb Bücher mit Titeln wie "Elegant kochen ohne Schnickschnack", "Mein geliebtes München" und - mit Bezug auf sein Schoßhündchen - "Ich, Daisy. Bekenntnisse einer Hundedame". Seiner über alles geliebten Mutter setzte er mit "Mama und ich" ein literarisches Denkmal.
Rudolph Moshammer verstand es, seine Bekanntheit auch zu vermarkten. In der Öffentlichkeit erschien Moshammer stets mit seiner kleinen Hündin Daisy. So gibt es neben einem Moshammer Aftershave oder einer Moshammer Face Cream sogar Daisy's Fellglanzspray. Eines seiner vielen Markenzeichen war sein Bärtchen und eine mehr als extravagante Frisur. Stets gut gekleidet, geschminkt und frisch frisiert konnte man ihn immer öfter in den Boulevard-Magazinen, Promi-Sendungen und Promi-Partys erleben. Einer seiner glanzvollsten Auftritte wird Deutschland wohl immer in Erinnerung bleiben. Beim Vorentscheid zum Grand-Prix 2001 trat der Münchner Modeschöpfer zusammen mit mit der Band "Münchner Zweitracht" auf und gab seinen Titel "Teilt Freud und Leid" zum Besten. Zwar ohne Chancen aber in den Herzen der Fernsehzuschauer.
2004 wurde Rudolph Moshammer von deutschen Boulevard-Journalisten zum "Promi 2004", Publikumsliebling unter Deutschlands Prominenten gewählt. Moshammer, so die Jury in Ihrer Laudatio, sei mit seinem Erscheinungsbild, seiner Offenheit und seinem Humor zu einer festen Größe in der Boulevardpresse geworden und hat ein durchweg positives Image bei den Lesern und Fernsehzuschauern bewahrt.
Seine letzte große Aktion war ein funkelndes Kleid mit 7.000 Kristallen, das er für die "Diamant Tour" von Holiday on Ice entworfen hatte. Die Edelrobe für "Diamonds" wurde in Paris gefertigt: In einem Atelier, das ausschließlich für Shows arbeitet. "Ich flog öfter rüber, um darauf zu achten, dass meine Zeichnungen auch wirklich 1:1 verwirklicht wurden". Unter großem Presserummel wurde dieses dann im "Hollywood Media Hotel" in Berlin präsentiert.
Rudolph Moshammer wurde am 14. Januar 2005 von seinem Chauffeur tot in seiner Villa im Münchner Nobel-Vorort Grünwald mit einem Kabel um den Hals aufgefunden. München und Deutschland trauert um einen seiner schillerndsten Paradiesvögel.
Quellenangaben:
Günther Strauß, 14.01.2005





