Babyboom nach Sex hinter Gittern
Pardelluchse, die seltensten Raubkatzen der Welt, wurden erstmals erfolgreich gezüchtet
Im spanischen Nationalpark Coto Doñana erblickten in dieser Woche erstmals drei in Gefangenschaft gezeugte Iberische Luchse das Licht der Welt. Für den WWF ist das ein Hoffnungsschimmer, das Aussterben der Art doch noch zu verhindern. Der Iberische Luchs, auch Pardelluchs genannt, ist die bedrohteste Katze der Welt. Nach neuesten Zählungen streifen nur noch etwa 100 Tiere durch Spanien und Portugal. Vor zwei Jahren wurden noch 160 Pinselohren gezählt.
„Dieser historische Erfolg zeigt, dass es möglich ist, den langsamen Tod der Iberischen Luchse noch aufzuhalten. Dazu müssen die Verantwortlichen auf allen Ebenen koordiniert zusammenarbeiten“, betont Jesus Cobo, der für den WWF Spanien das Schutzprogramm für Luchse koordiniert. Bei der Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Regionalregierungen habe es in der Vergangenheit oft gehakt. In Andalusien hat man bereits 1992 mit der Einrichtung einer Zuchtstation begonnen. Der Erfolg ließ jedoch lange auf sich warten. Das es jetzt endlich geklappt hat, führt Cobos auch darauf zurück, dass sich die Kooperation zwischen Wissenschaftlern, Behörden und Naturschützern verbessert habe.
Zucht und Auswilderung sind für den WWF nur letzte Mittel, das Aussterben einer Art zu verhindern. Das Überleben der scheuen Katzen in der freien Wildbahn hängt vom Erhalt ihres Lebensraumes ab. Anders als ihre Vettern in Nordeuropa sind die Luchse in Spanien keine typischen Waldbewohner. Sie brauchen eine abwechslungsreiche Landschaft mit Buschland, lichten Waldflächen und offenem Gelände. Doch daran mangelt es. Immer neue Straßen haben ihre Jagdreviere zerstückelt, so dass ein Austausch zwischen den Populationen immer schwieriger wird. Insbesondere viel befahrene Straßen stellen eine Gefahr dar: Auf den spanischen „Autopistas“, die z.T. mit EU-Mitteln finanziert werden, endet die Brautschau für verliebte Luchse oft tödlich. „Solange die Zerstörung des Lebensraums der seltenen Raubkatze nicht gestoppt und rückgängig gemacht wird, hilft die Auswilderung von in Gefangenschaft geborenen Luchsen nicht weiter. Es kann nicht sein, dass die EU einerseits den Schutz der Luchse finanziell fördert und gleichzeitig Mittel für die Zerstörung seines Lebensraums bewilligt“, ärgert sich Frank Mörschel vom WWF Deutschland. Der Biologe hofft, dass die Geburt der Babyluchse dazu beiträgt, die Anstrengungen zur Bewahrung der seltenen Art in der freien Natur zu verstärken.
Doch zunächst müssen die kleinen Katzen die nächsten Wochen überstehen. In freier Wildbahn überleben selten alle Tiere eines Wurfs. „Wenn es gelingt, die Pardelluchse in Gefangenschaft zu vermehren, haben wir etwas Zeit gewonnen, ihre wilden Artgenossen zu retten“, so Frank Mörschel.
Quellenangaben:
wwf, 02.04.2005
