Die Etikette - Benimmregeln
Stil, Umgangsformen und gutes Benehmen
Beispiel 7: Korea
Ampeln
Bei rotem Ampellicht sollte der Fußgänger auf Grün warten. (Die durchschnittliche Breite einer städtischen Straße in Korea vereitelt ohnehin jeden Versuch, mal gerade schnell rüberflitzen zu wollen.) Viele Unfälle haben die Menschen dafür sensibilisiert, im Straßenverkehr für Kinder Vorbilder zu sein. (Das gilt allerdings weniger für die Koreaner hinterm Steuer.)
Arztbesuch
Sollten Sie während Ihres Aufenthaltes einmal zum Arzt gehen müssen, wundern Sie sich nicht, wenn Sie keine Diagnose mitgeteilt bekommen,
sondern nur ein Rezept erhalten und die damit verbundene direkte Zahlungsaufforderung. In Korea wird die Frage nach der Diagnose so gedeutet, dass die Fähigkeiten des Arztes angezweifelt werden. Das kann als Beleidigung ausgelegt werden. Lassen Sie sich trotzdem nicht abhalten, eine Diagnose zu erbitten, und erklären Sie notfalls, warum es Ihnen wichtig erscheint, die Ursache für Ihr Unwohlsein zu kennen.
Begrüßung
Begrüßungen sind in Korea sehr wichtig. Beim Gruß wird durch eine leichte (!) Verneigung dem Gesprächspartner Respekt gezollt. Je wichtiger das Gegenüber ist, um so tiefer wird die Verneigung ausfallen. Auch beim Bedanken verbeugt man sich (wobei unter anderem das Alter des anderen berücksichtigt werden muß). Die Tiefe der Verbeugung drückt die Eindringlichkeit des Dankes und der Verbundenheit aus.
Einladungen
Es ist in Korea nicht üblich, dass jeder seine Rechnung für sich bezahlt. Darum wird der Besucher oft zum Essen eingeladen. Man sollte sich
also darauf einstellen, sich einladen zu lassen und einzuladen.
Die Koreaner sind sehr gastfreundlich und so wird der Besucher von den unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen eingeladen, oft sehr kurzfristig. Es ist unhöflich, daraus direkt eine Absicht abzuleiten. Tatsächlich stimmt dies nach meinen Erfahrungen nicht.
Gesicht verlieren
Dieses Konzept des Umgangs hat als Hintergrund ein Cocktail aus Harmonie, Ehre und Respekt. Ganz allgemein wird vermieden, einen anderen Menschen in eine peinliche Situation zu bringen. Was ist aber peinlich?
Peinlich ist es, wenn Wissens- und Bildungslücken offenbart werden. Peinlich ist auch, wenn in einer Gesprächsrunde nicht vereinbare Meinungen aufeinander zuprallen drohen und trotzdem weiterdiskutiert wird. (Dies ist gerade für Deutsche ein leicht zu erwischendes Fettnäpfchen.) Peinlich ist, wenn Männer aus irgendeinem Grund vor oder von ihren Frauen bloßgestellt werden.
Die Möglichkeiten, eine peinliche Situation heraufzubeschwören, sind mannigfaltig, und so wird jeder seine eigenen Patzer machen. Sollten Sie feststellen, dass sie gerade in einen Fettnapf getreten sind: Thema wechseln und lächeln!
Handeln
In Korea wird beim Kauf ruhig und zuvorkommend gehandelt. Sie sollten - und das gilt allgemein für jede Situation - nicht die Stimme heben, selbst wenn sie sich ärgern. Nach meinen Erfahrungen kann man bei einem Handel ungefähr 10% Preisnachlaß anstreben.
Kleidung
Wie leicht durch Beobachtung festzustellen ist, kleiden sich Koreaner sehr gepflegt und legen außerordentlich viel Wert auf ihr Erscheinungsbild. Ein freakiges Outfit ist sicherlich keine Sünde und wird eher belächelt als geahndet....aber man wird auch keinen Blumentopf gewinnen. Bei offiziellen Anlässen sind Anzug und Krawatte unerlässlich.
Körperkontakt
Körperkontakt ist in Korea ein sehr ambivalentes Thema! Wer einmal durch eine der vollen Straßen in Seoul oder einer anderen Stadt läuft
oder in der Metro um einen Sitzplatz buhlt, wird feststellen, daß der Körperkontakt in der Form schamloser Rempelei zur Tagesordnung gehört. Hier tun sich insbesondere die Frauen um 40 hervor, die offenbar bei dieser rüden Art, sich Platz zu verschaffen, Narrenfreiheit genießen. In Deutschland könnte diese Rempelei allemal Anlaß zu einer Auseinandersetzung sein.
Zärtlicher Körperkontakt zwischen Mann und Frau wird dagegen nicht gern gesehen. Die Sitten lockern sich allerdings! So ist es nicht mehr ungewöhnlich, wenn Paare Hand in Hand durch die Straßen gehen. Wer allerdings auf der sicheren Seite sein möchte, sollte einfach jeden Körperkontakt in der Öffentlichkeit vermeiden. Gemischte Pärchen ziehen natürlich die Aufmerksamkeit eher auf sich und sind von daher auch eher im kritischen Blickfeld der Beobachter. In Anbetracht des Frauenmangels in Korea gibt es auch hin und wieder schiefe Blicke von koreanischen Männern, selbst wenn es zu keinem "unsittlichen" Kontakt kommt.
Gleichgeschlechtliche Freunde können jederzeit ihre Sympathie durch Körperkontakte bekunden. So ist es nicht ungewöhnlich Männer Hand in Hand zu sehen.
Insgesamt ist man in Korea etwas sparsamer mit Körperkontakten als in Deutschland.
Körpersprache
Vermeiden Sie es mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Winken Sie Ihr Gegenüber mit den Fingerspitzen nach unten heran.
Nase putzen
In Deutschland ist Naseputzen nicht so schlimm wie nießen. In Korea ist es genau umgekehrt. Naseputzen ist etwas Unappetitliches und sollte vor allem beim Essen vermieden werden (Siehe: Tischsitten).
Rauchen
Frauen, die in der Öffentlichkeit rauchen, werden etwas seltsam angeschaut. In Cafés scheint es aber niemanden zu stören, wenn Frauen rauchen.
Männer, die rauchen, sollten darauf achten, dies nicht in der Anwesenheit von älteren Männern zu tun. Das heißt natürlich nicht, daß heimlich geraucht werden muß, sondern nur, daß man sich einen etwas abgelegeneren Platz zum Rauchen suchen muß.
Zigaretten "flohen" ist absolut ungewöhnlich.
Rote Tinte
Rote Tinte sollte nicht dazu verwendet werden Notizen aufzuzeichnen oder Adressen und Telefonnummern auszutauschen. Rote Tinte wird als "unfreundlich" empfunden, und wird eigentlich nur in der Schule von Lehrern verwendet.
Schweiß
Europäern, Australiern und Amerikanern wird ein penetranter Schweißgeruch nachgesagt. Koreaner empfinden diesen Geruch als peinlich und verbinden ihn bei Landsleuten mit schlimmen Krankheiten (etwa Krebs). Wer zu Schweißgeruch neigt, sollte lieber einen Deodoranten mehr einpacken!
Tischsitten
- Das koreanische Essen wird nicht in verschiedenen Gängen serviert, im allgemeinen werden alle Speisen gleichzeitig auf den Tisch gestellt. Nur ein Nachtisch, etwa Früchte, Eis oder andere Süßigkeiten, wird manchmal in einem zweiten Gang serviert. Zum Abschluss des Essens wird einem gelegentlich ein Kaffee angeboten.
- Während es in Deutschland üblich ist, das gemeinsame Essen durch einen gemütlichen Plausch am Tisch nach dem Essen abzurunden, noch ein Getränk zu sich zu nehmen, eine Zigarette zu rauchen, ist es in Korea üblich, nach dem letzten Bissen sofort aufzustehen und das Lokal zu verlassen.
- Bezahlt wird in der Regel am Ausgang des Restaurants/Cafés. Die Bedienung wird ausschließlich zum Bedienen an den Tisch gerufen und nicht zum Abkassieren.
- Das Essen ist oft ein Gemeinschaftsgericht, das z. B. aus Reis, Suppe, Kimchi und anderen Beilagen besteht. Es wird nicht erwartet, dass der Gast alles aufisst.
- Reis und Suppe werden mit Löffel gegessen (Reis auch mit Stäbchen), Beilagen mit Stäbchen.
- Messer werden nur in der Küche verwendet und nicht am Essenstisch. Gemüse wird mit Stäbchen (Eigeninitiative) oder einer Schere (Bedienung) zerkleinert. Fleisch wird meistens von der Bedienung mit einer Schere in mundgerechte Portionen geschnitten.
- Die Stäbchen oder der Löffel dürfen nicht in den Reis gesteckt werden. Dies ist eine Handlung, die dem Ahnenkult zugeordnet wird, und die die Gastgeber schockieren würde.
- Wenn Sie zum Trinken eingeladen werden und ihr Gastgeber ist älter als Sie, dann prostet man sich zu, wendet sich aber dann zum Trinken ab.
- Getränke werden mit Hilfe beider Hände eingeschenkt und auch empfangen, indem man das Trinkgefäß mit beiden Händen hält.
- Es gilt als unhöflich während des Essens viel zu sprechen. Superpeinlich ist es, sich beim Essen die Nase zu putzen!
Toiletten
Die öffentlichen Toiletten in Korea sind sauber, aber spärlich verteilt. Es ist aber normal, ein Restaurant, Café, Hotel oder Bürogebäude aufzusuchen und dann dort die Toilette zu benutzen. Werfen Sie das benutzte Toilettenpapier in den bereitstehenden Eimer. Es besteht ansonsten die Gefahr, dass die schmalen Abflussrohre verstopfen.
Verabredung
Wenn Sie sich an alle hier erwähnten Tipps halten, dürfte so viel nicht mehr schief laufen! Bei ihrer ersten Verabredung wird es Sie wahrscheinlich erstaunen, wie viele Fragen zur Person Sie gestellt bekommen: Wie alt sind Sie? Was sind Sie von Beruf? Sind Sie verheiratet? Haben Sie Kinder? Welche Religionszugehörigkeit haben Sie?
Diese Fragen sind zum einen pure Neugierde. Andererseits erlauben Ihre Antworten den Koreanern, Sie in irgendeiner Form einzuordnen. Diese Einordnung erscheint in Korea doch noch immer sehr wichtig!
Visitenkarten
In Korea ist es üblich, insbesondere bei geschäftlichen Ereignissen, eine Visitenkarte zu überreichen. Visitenkarten sollten informativ (Titel, Firma, Position) und stilvoll sein (kein übertriebenes Design, nicht zu farbig). Erhält man eine Visitenkarte, sollte diese mit Dank entgegengenommen und aufmerksam studiert werden. Es gilt als überheblich und nachlässig, die Visitenkarte einfach nur einzustecken.
Wohnungen betreten
In einer koreanischen Wohnung wird auf dem Boden gesessen, gegessen und geschlafen. Es ist von daher nicht verwunderlich, dass die Schuhe beim Betreten der Wohnung ausgezogen werden. Sie bleiben in einem kleinem Raum oder vor einem kleinen Absatz stehen und werden in keinem Fall mit in die Wohnung oder das Zimmer genommen. Älteren Menschen gegenüber ist es unhöflich, sich barfuss zu zeigen. Auch in Restaurants wird ein Gast ohne Strümpfe ungern gesehen. Es empfiehlt sich also, immer Socken zu tragen, wenn ein Besuch ansteht.
Zigaretten
Es wird - wie bei uns ja auch - ungern gesehen, wenn Zigarettenstummel einfach weggeworfen werden.
Quelle:
Mit freundlichem Dank an:
Explore Korea, 05.02.2003
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